Für Leni Riefenstahl
WO sich Wunsch und Wille
Wie ein Hauch verliert
In der Muschelstille,
Die das Licht gebiert,
Stieg aus blauen Tiefen
Weißer Kämme Schnee,
Wars, als ob dich riefen
Stimmen aus der See.
Aus des Tages Bleiche
Laß uns traumwärts ziehn,
Die geheimsten Reiche
Dämmern submarin,
Pfeiler, Tempel, Pforten,
Garten und Palast,
Meertangs grüne Borten
Am Corallen-Ast.
Mancher zieht als Surfer
Rasch im Schaum die Spur,
Mancher kennt als Schlürfer
Krebs und Muschel nur,
Keiner, dem Harpunen
Todesmacht verleihn,
Löst aus Rätsel-Runen
Die Verheißung ein.
Zu den Zauber-Zeichen
Führt nicht List noch Zwang,
Bilder ohnegleichen
Sind der ganze Fang,
Tränen, Schmerz und Wunden,
Glanz, den du nicht brauchst,
All das ist entschwunden,
Wenn du untertauchst.
Laß des Lichtes Garben
Brechen durch den Saum,
Was hier blüht an Farben,
Faßt das Auge kaum,
Regen ihre Flossen
Schäumer im Geflock,
Hat sich Blut ergossen
Am Corallen-Stock.
Tiefer wirst du sinken,
Weiter dringst du vor,
Laß die Lichter blinken
Vor der Grotte Tor,
Naht sich die Muräne
Dir mit samtner Haut,
Fell zu glätten wähne,
Schatten anvertraut.
Rochen, sanfte Glänzer,
Schilde wie von Zinn,
Wiegen sich als Tänzer
Vor der Taucherin,
Spieler wirst du finden
In des Mondes Hut,
Wo sich Aale winden
Silbern durch die Flut.
Spreng der Grüfte Riegel,
Frag dich vor dem Hai,
Ob sein Blick der Spiegel
Einer Seele sei,
Wo durch Algenhaare
Hechte huschen schnell,
Glitzern die Calmare
Regenbogen-grell.
Ist ihr Blitz-Geflimmer
Siegel dir und Schluß?
Doch im Perlmutt-Schimmer
Zeigt sich Nautilus,
Schwefelgelb die Schwämme,
Drachen silberzart
Recken ihre Kämme
Überm Stachelbart.
Gold im Glast der Quallen,
Schmelz des Muschelmunds,
Austern und Corallen
Bringst du heim für uns,
Nicht als Prunk-Geschmeide,
Und im Walten frei,
Nur zur Augenweide
Schweben sie vorbei.
Sie zum Ring zu fügen
Rein und Sternen-klar,
Möchten kaum genügen
Zweimal hundert Jahr,
Doch dein Aug, das helle,
Hand, die Wasser ballt,
Gibt dem Spiel der Welle
Fassung und Gestalt.
Triton, wo die Schnecke
Setzt den Purpurfuß
Auf die Muscheldecke,
Hebt sein Horn zum Gruß,
Aus der Säule steigen,
Die von Perlen trieft,
Bild, Relief und Reigen
Wie in Erz gerieft.
Ist das Werk vollendet,
Spür, die Waage ruht,
Spiegel, der uns blendet,
Birgt die ganze Flut,
Wogen, die verrollen,
Blicke reinsten Blaus,
Bleibst du hold verschollen
Im Corallen-Haus.
Sänge der Sirenen
Tönen übers Meer,
Schwäne rings ersehnen
Ledas Wiederkehr,
Schenk den weißen Gleitern
Deiner Klippe Saum,
Wo die Schiffe scheitern,
Hüte du den Traum.
in: Freundesgabe, S.31
.
IM CORALLENHAUS